Der "Dienstag" einer Betreuerin

"Die mofa ist wie eine Familie für Mitarbeiter und für Klienten.
Sie schenkt Sicherheit. Vertrauen und Zukunft."

Der Arbeitsalltag beginnt um sieben in der Früh. Die erste Tour hat Elke schon hinter sich.

Kurze Verschnaufpause in der Küche der mofa, dann geht es weiter, quer durch die Stadt zu Gertrud B. Die ist ganz aufgeregt. Heute sind die Maler da und stellen ihre Wohnung auf den Kopf. Die Mitarbeiterin beruhigt sie mit den Worten, dass jetzt bald alles schöner sein wird. Die Wohnung hat einen Anstrich bitter nötig, Gertrud B`s Leben auch.

Vieles ist ambulant machbar: von der Hilfe im Haushalt über Arztbesuche bis zum Gespräch und gemeinsamen Ausflügen. Eigentlich ist Elke gelernte Raumausstatterin, eine Praktikerin mit dem Hang anzupacken. Mit Pflege und Betreuung von Menschen hatte die 39-Jährige kaum etwas zu tun, bis sie vor acht Jahren über die Maßnahme Arbeit statt Sozialhilfe (ASS) zur mofa kam. Seitdem gehört sie fest zum Team und arbeitet in der Abteilung Mobiler Sozialer Dienst.

Margarete M. braucht heute ein paar Lebensmittel und vor allem ihre geliebten Zigarillos. Elke geht einkaufen, bespricht mit dem Zivildienstleistenden den Putzplan und räumt die Küche auf. Bevor sie das Mittagessen aufwärmt, unterstützt Elke Frau M. noch bei der Körperpflege.

Dann geht es zurück zur mofa: Dienstbesprechung mit den Kollegen.

Einen kurzen Abstecher unternimmt Elke noch zu Wolfgang B. Sie hofft, dass er heute nüchtern ist. Der 55-Jährige hat gerade ein Problem mit seinen Finanzen, weil er statt der früheren Sozialhilfe jetzt eine Erwerbsunfähigkeits-Rente bekommt. Doch die wird erst Ende des Monats gezahlt.

Zu spät für Miete und andere Belastungen. Also wird immer wieder bei den Behörden nachgehakt.

"Die ganze mofa ist Klasse. Elke, Lothar und Sonja. Das ist meine Familie."

Für Michael K. hat Elke heute etwas mehr Zeit. „Michi", wie ihn nur Freunde nennen dürfen, ist ein sympathischer, offenherziger 48-jähriger Mann, der sowohl vom MSD der mofa als auch vom Pflegedienst mehrfach am Tag betreut wird.

Elke ist seine Bezugspflegerin. Vor einigen Wochen haben die beiden bei einem Frühstück gefeiert: ein Jahr ohne Alkohol.

Michael K. hat ein besonders schweres Schicksal. Er leidet an einer seltenen, unheilbaren Erbkrankheit, die seine Nerven angreift. Sein Vater und 13 Geschwister sind daran gestorben. Und auch Michael K. weiß, dass sein Leben nicht ewig währt.

Elke ist eine aufmerksame Begleiterin, wenn er von seinen vielen Beschwerden erzählt. Ihre Fürsorge ist ihm sicher. Heute müssen die beiden noch die Wäsche waschen und das Bett neu beziehen. Aber auch dabei können die beiden reden und lachen.

Der „Dienstag" von Elke geht zu Ende. Der Mittwoch wird nicht viel anders aussehen. Doch für heute ist Schluss.

Jetzt fährt Elke nach Hause, setzt sich an ihren Tisch, trinkt sich in Ruhe einen Kaffee. Erst dann hat sie auch ein offenes Ohr für ihre beiden Töchter.


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