(K)ein Leben mit der Sucht

"Am schönsten ist es mittwochs. Dann kommt für zwei Stunden Sonja, dann machen wir etwas Schönes miteinander, gehen raus, bummeln, schwimmen."

Petra B. kann nach langer Zeit wieder lachen. Vor wenigen Monaten noch undenkbar, hat sie sich am Wochenende getraut mit ihrem Sohn einen Ausflug nach Köln zu unternehmen. „Am Abend habe ich im Bett gelegen und geweint vor lauter Erschöpfung, aber stolz war ich auch". Die 43-Jährige ist sucht-mittelabhängig und leidet an einer seelisch bedingten Gangstörung.

Petra B. ist Gesamtschullehrerin für Englisch und Pädagogik, kann aber durch ihre Krankheit ihren Beruf nicht mehr ausüben. Sie war verheiratet, voll berufstätig, kümmerte sich um den Haushalt und fuhr Tochter und Sohn zum Sport. Irgendwann ging nichts mehr.

„Ich hab` mich hoffnungslos überfordert, wurde immer depressiver und brauchte mehr und mehr Alkohol, um das Leben zu ertragen und abschalten zu können." Nach einer Entgiftung kam Petra B. zur mofa. Durch die intensive Betreuung fasst sie wieder Lebensmut und strahlt Optimismus aus. Doch wenig später kann ihre Stimmung umkippen, dann will sie lieber sterben als leben.

„Beides liegt so nah beieinander. Wenn ich ganz unten bin, Panik habe, brauche ich Zuspruch; den bekomme ich von der mofa, dann geht`s wieder weiter." An guten Tagen schafft Petra B. die Einkäufe mit ihrer Gehhilfe allein. Manchmal denkt sie dann sogar daran wieder stundenweise als Lehrerin zu arbeiten. An schlechten liegt sie erschöpft, traurig und grübelnd im Bett. „Dann bin ich froh, dass jemand kommt, mir zuhört und mir zur Toilette hilft – alleine ist dann nicht." Diese immer wieder kehrende Frage nach dem Sinn des Lebens, dieses Auf und Ab an Stimmungen, ist für Petra B. nur schwer zu ertragen.

Für die MitarbeiterInnen der mofa gehört das zur täglichen Arbeit.